Der oft vergessene Stadtteil

Körtingsdorf

Arbeitersiedlung Körtingsdorf

1861 erhält die Bornumer Schule einen eigenen Brunnen. 

1892 scheidet die Kolonie Körtingsdorf aus dem Schulverband Bonum aus und wird eigenständig.

Das Gelände für die Siedlung Körtingsdorf gehörte Bornumern.

Die betroffenen Bornumer Meier und Köthner verkauften das Land gerne an die Firma der Gebrüder Körting.

Die Gemeinde Bornum wollte in keinem Fall Folgekosten (Schule, Verwaltung, Armenlasten, Wege etc.) durch den Verkauf haben. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen wurde die Baugenehmigung für die geplante Siedlung zurückgezogen und ein Vergleich geschlossen.

Die Gebrüder Körting verpflichten sich:

- in der Kolonie für eine eigene Verwaltung zu sorgen und zu diesem   

   Zwecke einen besonderen Gemeindevorsteher anzustellen;

- zu den Armenlasten der Gemeinde Bornum beizutragen;

- die Wege in der Kolonie instand zu halten;

- die Schulverhältnisse unabhängig von denjenigen in Bornum zu regeln

 

Letztendlich gab es neben der eigenen Schule einen eigenen gleichberechtigten Gemeindevorsteher für Körtingsdorf in der Bornumer Gemeindeversammlung. Ursprünglich wollten die Bornumer den Körtingsdorfern nur einen untergeordneten Gemeindevorsteher zubilligen. Um das Stimmrecht der Körtingsdorfer in der Gemeindeversammlung zu verhindern, befreite man sie von den Gemeinde- einkommenssteuern.

 

Bis zur Eingemeindung nach Linden 1909 brauchten die Körtingsdorfer keine Steuern zu bezahlen.

 

Anfang der 1890er-Jahre wurde auf einem dem KÖRTING-Werk gegenüberliegenden Gelände der Grundstein für eine Arbeitersiedlung gelegt, die dann von 1889 bis 1891 errichtet wurde. Architekt der Siedlung war Ernst Eduard Werner (1847-1923)

 

so sah die ursprüngliche Planung aus:.

Planungen

Aufgrund gerichtlicher Auseinandersetzungen wurde die komplette Planung der Siedlung nicht verwirklicht. Auf dem Gelände von 335 000 qm wurden die im Siedlungsplan  schwarz eingezeichneten Häuser ab 1890 gebaut.

1893 wurde die Schule für 120 Schulkinder und 2 Lehrer eingeweiht.

Einige kleine Geschäfte und eine kleine Gastwirtschaft mit Kegelbahn wurden eröffnet.
Ursprünglich sollte es auch einen eigenen Marktplatz und ein Krankenhaus geben.

Einen Teil des Bornumer Holzes wollte man stehen lassen, dort sollte eine Waldwirtschaft gebaut werden.

1695c-Pharus-Historischer-Stadtplan-Hannover-1934-Grosse-Ausgabe-Ausschnitt-2_edited_edite

Vision

Viel frische Luft und die Treue zur Firma

Man gebe dem Arbeiter eine freundliche Wohnung, man gebe ihm einen Garten und ein Stück Feldland und der gesunde Sinn des norddeutschen Arbeiters, meist noch vom Lande stammend, würde sich sofort von Wirtshaus und von den Notstandserörterungen am Biertische der Pflege der Häuslichkeit und seines Gartens zuwenden." (Ernst Körting)

Die Firmengründer verfolgten mit der Anlage der Siedlung das Ziel, ihren Arbeitern und Angestellten gesunde Wohnverhältnisse zu ermöglichen. Im Gegensatz zu den oft engen und dunklen Wohnungen in Linden gab es in Körtingsdorf relativ großzügige Wohnungen mit großen Gärten zum Gemüseanbau und zur Nutztierhaltung.

Gleichzeitig wollte man mit der werkseigenen Siedlung die ausgebildeten Fachkräfte an das Unternehmen binden. Streikende oder aufmüpfige Arbeiter konnten ihre Wohnungen verlieren.

R_edited.jpg

Austattung der Häuser

Zu jedem Grundstück gehörten ein Stall und ca. 800 qm Gartenland. In jeder Doppelhaushälfte befanden sich zwei Wohnungen mit je drei Zimmern und einer Küche. Meist gab es im Obergeschoß eine fünfte Wohnung. Besonders stolz war man auf die relativ "große" Wohnküche mit 16 qm, in der gemeinsam die Mahlzeiten eingenommen wurden und der Arbeiter seinen Mittagsschlaf halten konnte. Für jedes Doppelhaus gab es eine gemeinsame Waschküche im Keller.

"Die Hausordnung schreibt den Bewohnern vor, dass sie nach der Straße zu stets für gut geputzte Fenster und weiße Vorhänge zu sorgen haben."
(25 Jahre Festschrift der Fa. Körting)